Alicia Hamm

Interview mit der bekannten Medizinfrau und Schamanin aus Argentinien 

Alicia Hamm 

Alicia Hamm

  1. „Brücke zwischen den Welten“ zu sein, das ist Ihr Auftrag.
    Welche Welten überbrücken Sie?

Ich bin als “Brücke“ initiiert worden als ich noch lernte, und noch sehr jung war. Damals habe ich als Dolmetscherin für meine Lehrer und Meister gearbeitet und wusste nicht um die Tragweite der Brücke. Ich dachte, ich würde eine Brücke zwischen den Alten Kulturen und den modernen lebenden zivilisierten Menschen sein, auch zwischen den Natives aus Nord und Latein Amerika, weil es das war, was ich bis dahin tat. Wie immer, glaubt man zu wissen aus der Erfahrung, aber das ist die Vergangenheit.

Nach der Initiation begann die Brücke zu wachsen, auch meine Erfahrung, und ich wurde eine Brücke zwischen den Welten. Meine Realität hat meine Vorstellung überstiegen. Wir können uns nicht wirklich etwas vorstellen, was total neu und unbekannt für uns ist, wir mischen Altes neu zusammen und denken, wir hätten etwas Neues erfunden. Aber so war es nicht, es war ganz neu und unerwartet. Die Brücke vereinigte das Hier und das Jenseits, Materielle und Spirituelle Welt, inkarnierte und nicht inkarnierte Seelen, (ich würde auch “Geister“ sagen wollen, aber ich weiß, dass man bei diesem Wort seltsame Vorstellungen bekommt, so würde ich lieber bei „Spirits“ bleiben). Als ich weitere Bereiche der „Brücke“ erfuhr, fing ich an die Medialität zu entwickeln, und ereichte die

Kommunikation mit den Spirits....

 

  1. Argentinien ist Ihr Geburtsland. Sie sind dort schon als Kind mit schamanischen Weisheiten in Berührung gekommen. Wie war das möglich?

 Es war eine sehr gemischte Gesellschaft in Lateinamerika, die alte und die neue Kultur lebten beieinander, und ich bekam viele verschieden Einflusse beider Seiten mit.

Der „Rote Weg“ ist ein wichtiger Teil Ihrer Lehren. Was verstehen Sie darunter?

Der „Rote Weg“ ist der Weg des Herzens, es ist eine spirituelle Einstellung und nicht eine Frage der Rasse oder Kultur. Es ist der Glaube, dass wir alle miteinander verwandt sind, alle Kinder des Grossen Geistes und Mutter Erde sind, also sind wir alle Brüder und Schwestern, die auf unserem Planeten ihr Zuhause haben. Es ist der Glaube, dass Alles lebendig ist, auch das Wasser und die Luft, die Steine und das Grüne, alle haben eine Seele und atmen dieselbe Luft gleichzeitig: die Menschen, die Tiere, die Bäume.... Es sind verschiedene Formen des Lebens, die einen anderen Aspekt des Bewusstseins verkörpern und den Geist auf ihre eigene Art offenbaren.... Es ist der Respekt und die Liebe für „Alle Meine Verwandte“, eine der heiligsten Worte für uns....

  1. Gran Canaria ist ihre jetzige Heimat, aber Sie sind jedes Jahr viele Monate in vielen europäischen Ländern unterwegs. Dies ist für Sie sicher auch eine große Anstrengung und ein großer persönlicher Verzicht. Was ist ihre Motivation?

Es ist mehr meine Mission als eine Motivation. Eine Brücke kann nicht nur auf einer Seite bleiben, und „das Bleiben“ ist für mich jetzt nicht Teil meiner Reise. Wir neigen dazu bleiben zu wollen, uns fest zu installieren und unsere Position nicht zu ändern, aber gerade in dieser Zeit müssen wir mit Veränderung rechnen. Wir sind im Fluss, und man kann das Wasser nicht fest halten, aber man kann fließen....  

 

  1. Der Schwerpunkt Ihrer Lehren ist das Medizinrad und die Schwitzhütte.
    Können Sie kurz beschreiben, worum es da geht?

Das Medizin Rad ist der Heilige Kreis, die perfekteste Form in der Materiellen Welt, der Steinkreis ist der älteste Tempel der Menschheit. Als die Europäer zu uns kamen, gab es tausende Medizin Räder auf unserem Kontinent. Ich habe einige gelernt, aber in dem Lakota Medizin Rad fühle ich mich Zuhause. Dort bekommen wir die Möglichkeit, in unsere Innere Welt hinein zu gehen, uns zu ordnen, Kontakt aufzunehmen mit unserem Inneren Kind, der Inneren Frau, dem Innerem Mann und der Seele, in die Mitte zu gehen und uns mit Oben und Unten zu verbinden. Zu fühlen, Vater ist oben, Mutter ist unten, ich bin das Kind und bin hier Zuhause.... Wir ordnen alles in dem Kreis und denken auch rund....

Die Schwitzhütte und die Visions-Suche sind zwei der heiligsten Zeremonien, die wir haben. Ich respektiere die Lehren und folge streng der Tradition und den Anweisungen von Black Elk, von dem ich sie gelernt habe. Es gibt auch verschiedene Schwitzhütten - die ich mache ist eine Wiedergeburt Zeremonie. Sie unterliegen der mündlichen Übertragung, somit darf ich nicht mehr darüber schreiben.

 

  1. Das Jahr 2012 ist in aller Munde. Hat es für Sie auch eine besondere Bedeutung?

Ja, es ist der Übergang in die nächste Welt, die Fünfte. Nach der Hopi Lehre geht jetzt die vierte Welt zu Ende. Unsere Arbeit war und ist es, einen sanften Übergang in die nächste Welt zu ermöglichen, soweit es Menschen möglich ist.

Der Rote Weg ist die Form des „Heiligen Pfades“, die Art Mutter Erde zu ehren und zu respektieren. Wenn wir so wandern wollen, müssen wir einiges ändern, an unsere Art zu denken und zu handeln. Altes zu verlassen schafft Raum für Neues, so können wir mit den Veränderungen fließen ohne Angst zu bekommen. Wir verändern uns mit, wir tanzen in Harmonie mit dem Neuen....

Über die neue Zeit ist nichts geschrieben, alle Prophezeiungen sind über die alte Zeit und gehen mit ihr zu Ende. Wir werden die neue Welt mit erschaffen, die neue Geschichte schreiben, deswegen ist es so wichtig was wir gerade in diesem Jahr tun. Es ist die Zeit der Reinigung, unsere Entscheidungen werden unserem Erleben mitbestimmen, und diese sind wiederum abhängig von unserem Glauben und Vertrauen, oder unserer Angst.

In der Energie der neuen Zeit, manifestieren sich unsere Gedanken und Gefühle, Wünsche und Befürchtungen sehr schnell und bestimmen die Richtung unseres Weges....

 

  1. Sie sind eine Medizinfrau, im Westen kennt man fast nur Männer-Schamanen, die die Lehre der indogenen Völker bei uns verbreiten.
    Das ist für viele Frauen sicher eine Ermutigung und Inspiration.

Wie sehen Sie das?

In meiner Kultur sind Männer wie Frauen Medizin Menschen, sie werden nicht nach Geschlecht unterschieden, sondern nach Begabung, Neigung und Talent. Die Frauen haben durch ihre besondere Natur und der Mütterlichkeit eine besondere Verbindung zur Mutter Erde, sie sind als Mütter schon von Natur aus verbunden mit dem Weg der Heilung, und wenn sie ihrer Intuition vertrauen können sie das Ur-Wissen kontaktieren und sich leiten lassen und Erstaunliches bewirken. Nur mit der harmonische Verbindung von Männer und Frauen, bei der beider Eigenarten und Kräfte gegenseitig respektiert und akzeptiert werden, können wir eine gesunde Gesellschaft errichten, in der unsere Kinder sich gesund entwickeln können.

 

  1. Am Schluss noch eine persönliche Frage: Sie sprechen perfekt Deutsch. Wie haben Sie unsere Sprache so gut gelernt?

Ich habe deutsch geheiratet und lange in Deutschland gelebt.

www.aliciahamm.net

 

Das Interview führte Ursula Loose

Seminarorganisation von Alicia Hamm in Augsburg:

Tel: 0821/54 39 57 40

ursula.loose@gmx.de