Der Fall des Uli Höneß

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Das Dilemma ein Vorbild zu sein
Artikel zum Zeitgeschehen

 

"Man muss erst lernen zu fallen, wenn man fliegen möchte." (Richard Back)

Der Ex-Präsident und Geschäftsmann Uli Höneß hat es geschafft, im Brennpunkt des öffentlichen Interesses zu sein. Warum? Weil durch sein Verhalten viele Kernfragen unseres (Gesellschafts-)Lebens berührt sind und sich vor allem die Frage stellt: Wie gefährlich ist es, ein Vorbild zu sein? Und hört denn beim lieben Geld selbst für die medienbekanntesten Vorbilder, wie z.B. Alice Schwarzer - die Vorbildfunktion auf?

 

 

Uli Höneß ist dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, die Dinge auszusprechen, wie sie sich ihm zeigen und die Sache schonungslos auf den Punkt zu bringen. Beispielsweise als Christoph Daum, damaliger Fußballtrainer von Bayer Leverkusen, unter Drogenverdacht stand und dieser seine Unschuld unter Schwur beteuerte, rückte Uli Höneß mit der für alle Insider bekannten Wahrheit heraus, dass Christoph Daum ein Suchtproblem hätte. Und nun kommt ans Tageslicht, dass Uli Höneß selbst ein Suchtproblem hat - ein Schock für die Öffentlichkeit: der Moralapostel hat selbst Dreck am Stecken! Die Gesellschaft reagiert erst einmal mit Ratlosigkeit, Spott, Hohn und Verurteilungen auf seine Offenbarung.


Uli Höneß leugnet seine Spielsucht als Ursache seiner Steuerhinterziehung nicht - auch nicht vor der Öffentlichkeit. Er steht dazu, auch wenn er mit dem Hohn der Öffentlichkeit konfrontiert wird. Ab jetzt kann er sich ändern. Und das ist das Entscheidende. Er hat diese Suchtproblematik erst bei einem anderen wahrgenommen und erkannt, dass Christoph Daum sich nur aus seinem Schlamassel retten kann, wenn er seine Sucht vor sich und den anderen eingesteht - und sei es im Fokus einer breiten Öffentlichkeit. Nun kann Uli Höneß das auch für sich selbst durchziehen. Seine Herausforderung ist groß, denn er hat durch seinen Drang seine innere Wahrheit zu verkünden, einen Vorbildcharakter erworben. Und dieses Vorbildimage und sein darauf aufgebautes Selbstbild muss er erst einmal loslassen, indem er sich und der Öffentlichkeit eingesteht, ja ich bin süchtig, ja ich habe Steuern hinterzogen, ja, ich habe einen großen Fehler gemacht. Und durch seine Annahme dieser Wahrheit ist er fähig Verantwortung für sein Tun zu übernehmen: Uli Höneß nimmt seine Haftstrafe an. Und siehe da, ab diesem Zeitpunkt gehen wieder viele Türen für ihn auf: Respektbezeugungen von höchster politischer Ebene (Bundeskanzlerin und bay. Ministerpräsident) und von seinem Verein und dessen Mitgliedern wird ihm bekundet und sein Vorbildsfunktion hat eine höhere Ebene erreicht.

 

Bzgl. des Steuerbetruges brauchte Uli Höneß mehrere Anläufe, um zu seiner Verantwortung zu finden: die Selbstanzeige nur aufgrund der Reportagen der Presse, dann die von 3,5 Millionen, auf 12 Millionen am nächsten Tag waren es dann 27 Millionen - das sah nicht nach dem von Uli Höneß angekündigten "reinen Tisch" aus. Sehr seltsam, dass das Gericht es sehr eilig hatte zu einem Urteil zu kommen, da doch alle von diesen neuen Zahlen überrascht schienen. Und so mutmaßen doch einige, dass Uli Höneß dieses Urteil annimmt, um doch noch besser wegzukommen, als bei den höheren Gerichtsinstanzen.

 

Doch wie dem auch sei, entscheidend ist: Uli Höneß übernimmt Verantwortung, indem er sein Urteil annimmt und nicht auf seine zahlreichen Politikerkontakte und seine Finanzkraft für Verzögerungstaktiken bzgl. seiner Strafverfolgung zurückgreift. Letztendlich zeigt er Rückgrat und steht für seine Fehler ein.

 

Daher stellt sich die Frage:
"Was wäre, wenn alle Menschen für Ihre Fehler Verantwortung übernehmen würden"? - Es gäbe keine Schuld mehr. Denn das Eingestehen und Annehmen des eigenen Fehlers ist ein Gnadenakt sich selbst gegenüber. So dass dann Gnade auch im Außen geschehen kann. Und so lange der Mensch auf Erden wandelt, wird er immer wieder Fehler machen, um zu lernen. Auch Vorbilder machen Fehler. Die Angst sich als Vorbild zu blamieren, sollte niemand abhalten, sich das Ziel zu setzen, vorbildlich zu sein. Kein Heiliger/kein Meister ist ohne Vergangenheit.

"Und was wäre, wenn Politiker für ihre Fehler Verantwortung übernehmen würden"?

Die Steuermoral der Bürger würde nicht nur steigen, sondern erst einmal entstehen - denn Steuern werden in der Regel nicht freiwillig bezahlt - es ist nur noch eine Frage, wer "erwischt" wird oder welche Steuertricks zur Verfügung stehen. Denn zeigen die Staatsvertreter keine Verantwortung für ihr Tun, wieso sollten es dann die Bürger zeigen? Wie im Innen – so im Außen. Niemand würde auf privater Ebene sehenden Auges einem anderen sein Geld anvertrauen, der es sinnlos verschleudert, denn das wäre doch verantwortungslos!

 

Und darum hat der Fall Höneß soviel Aufmerksamkeit: es geht um Verantwortung auf allen Seiten! Bis hin zur internationalen verantwortungsbewussten Zusammenarbeit.

 

Zu Recht wird in diesem Zusammenhang eine Politikerhaftung vorgeschlagen. Dies wäre die notwendige Bewusstseinswende und ist auch durchaus umsetzbar: es gibt ja sonst auch für alles Versicherungen, wie wär´s mit einer Politikerhaftpflichtversicherung? - finanziert durch die Diäten, ohne dies gleich wieder auf die Bürger umzuschlagen. Dies wäre ein großer Bewusstseinsschritt für alle unsere Staatsvertreter: Wo bin ich in der Verantwortung und werde ich meiner Verantwortung gerecht? So geht es bei den Politikern auch erst einmal wieder das Bewusstsein zu etablieren, dass es ihr Beruf ist, verantwortlich für die ihnen zugewiesenen Aufgaben zu sein. Das Beispiel „Berliner Flughafen“ zeigt, dass sich die Verantwortlichen nicht zuständig fühlen, egal wie sehr die ewige Baustelle finanziell aus dem Ruder läuft – und alles stagniert, außer den ständig steigenden Kosten. Höchste Zeit für den Schritt, dass sich die Verantwortlichen eingestehen, verantwortlich für die Errichtung eines Flughafens mit angemessenen finanziellen Mitteln zu sein unter Beauftragung von Firmen, die dazu in der Lage sind und dem Eingeständnis, dass es an der eigenen Befähigung mangelt. Der nächste Schritt wäre dann die Konsequenzen daraus ziehen und Platz für Menschen zu machen, die für die Organisation des Baus eines Flughafens und der anderen anstehenden Projekte mit angemessenen Mitteln nicht überfordert oder durch Privatinteressen fehlgeleitet, sondern dazu in der Lage sind.

 

Daher der Appell an alle Politiker und Menschen: lasst Euch durch das Vorbild Uli Höneß inspirieren, selbst wieder Vorbild zu sein, indem Ihr Eure Fehler eingesteht und Verantwortung für Euer Tun bzw. Nichttun übernehmt! Lasst uns beginnen und es solange versuchen, bis wir alle Fehler, die uns auf diesem Weg unterlaufen, eingestehen und bereinigen können.

 

Daher sind die Menschen, die es schaffen, selbst unter der größten öffentlichen Schmach ihre Fehler einzugestehen und die Konsequenzen daraus zu ziehen, die wahren Vorbilder und nicht die „Scheinhelden“, deren Schatten noch versteckt hinter vielen Masken im Dunklen verborgen liegen, um Anerkennung und Respekt von einer Gesellschaft zu erhaschen, deren Bewusstsein im Wandel ist.

 

Dann gehen wir in die neue Bewusstheit: Fehler zu verleugnen und vertuschen ist verschwendete Energie, Fehler einzugestehen, bringt Kraft und Möglichkeiten für die Wende.

 


"Man muss erst lernen zu fallen, wenn man fliegen möchte." (Richard Back)

 

Frieden sei mit Euch

Heidi Maria
Spirituelles Medium
www.WahrheitHeilt.de