Buchauszug

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Der Geist der Bäume

Eine ganzheitliche Sicht ihres unerkannten Wesens
Fred Hageneder

 

Kein anderes Buch behandelt die Bäume in so umfassender Weise: angefangen mit den botanischen und ökologischen Grundlagen über die kulturelle Bedeutung der Bäume von der Steinzeit zu den alten Hochkulturen der Welt bis hin zu den Baumporträts der bei uns heimischen Arten in faszinierenden Einzeldarstellungen.

 

Buchauszug:

 

Lebendige Bäume und Schutzgeister

 

"Die allgemeine Auffassung, dass dem Baum ein Geistwesen innewohnt, dessen Leben an das seines Geburtsbaumes gebunden ist, das in ihm wohnt, aber ihn zuweilen auch verlassen kann, um in seiner Umgebung frei in einer menschen- oder tierähnlichen ätherischen Gestalt umherzuschweifen, ist überall auf der Erde fest verwurzelt, unabhängig von Zeitalter, Kulturkreis, Religion, Politik, Philosophie oder Moden. Diese Auffassung ist ein Weg, mit anderen Lebensformen Umgang zu pflegen. Hört man auf, seine Katze zu füttern, wenn man getauft worden ist?

 

Während die heiligen Haine unter dem Einfluss der Inhaber religiöser und weltlicher Macht dahinschwanden, behielten einzelne Bäume oder gar kleinere Gruppen noch lange den Status von Freibäumen, die nicht gefällt werden dürften. Niemand durfte solchen auf irgendeine Weise Schaden zufügen. Praktische Gründe hierfür nahmen zwar zu – viele Eichen und Buchen z.B. waren für die Schweinemast unentbehrlich; auch Bäume, die Grenzen markierten, waren wichtig (Todesstrafe in der mittelalterlichen Schweiz für das Fällen von GrenzTannen) – aber andere Bäume, etwa Eiben oder Familien-Linden, waren einfach „unberührbar“, aus älteren Gründen, die man nicht in Frage stellte. „Denn die, die im Baume wohnt, möchte nicht gefällt werden“, sagten die Schweden.

 

Im Finnland des 19. Jahrhunderts hieß die Eiche „Gottes Baum“ und auch Birke und Eberesche wurden heilig gehalten und von der Landbevölkerung in der Nähe des Hauses gepflanzt. Ein Bericht von 1624 erwähnt einen Hain in Schweden, der von einer Riesenjungfrau (der Natur) gepflanzt worden sein sollte. Darin stand eine besondere Eiche, die Gyldeeiche, wo es „in den alten Tagen“ viel gespukt haben sollte. Immer noch grüßte jeder, der vorbeiging, den Baum mit Ehrerbietung: „Guten Morgen, Gylde!“, „Guten Abend, Gylde“. Überall sprachen die Menschen zu den Baumwesen, zur Holunderfrau (Frau Ellhorn, Frau Holle), zur Erlenfrau, oder zur Eschenfrau, um nur einige zu nennen.

 

Vor dem Fällen baten Holzfäller den Baum um Vergebung. Die zeitige Warnung sollte der Dryade Gelegenheit geben, in einen anderen, jüngeren Baum zu wechseln. Aufgrund der zufälligen Namensgleichheit des Aschenbaumes (Esche) und des Aschermittwochs konnten die Schweden die alten Ehrbräuche für die Esche erhalten, indem sie sie zum Morgenritual des Aschermittwochs erklärten. Vor Sonnenaufgang, denn dann sind „die Geister aktiv“, gingen die Ältesten aus, um Wasser über die Eschenwurzeln zu gießen.

 

Alle diese Beispiele werden in Berichten des 19.Jahrhunderts in der Gegenwartsform wiedergegeben – sie waren noch sehr lebendig.

 

Die Verbindung vom Baumgeist zum Holz wurde allmählich wie die Beziehung vom menschlichen Denken zum Körper angesehen, obwohl die Dryade mitunter das Holz verlässt und einen „Ausflug“ macht. In Dänemark waren die Holunderdryaden dafür bekannt, in der Abenddämmerung umherzugehen und bei Gelegenheit einen Blick durch die Fenster zu werfen. Während dänische Pastoren in Briefen die Bedeutung der mater sambuci (lat. für „Holundermutter“) beklagten, erzählte ein norddeutscher Kollege im Jahre 1703 aus seiner Jugendzeit. Damals würde es niemand gewagt haben, einen Holunder zu schneiden, und wenn doch einmal gestutzt werden musste, sprach man vorher ein Gebet: „Frau Ellhorn, gib mir was von deinem Holze, dann will ich dir von meinem auch was geben, wann es wächst im Walde.“

 

Diese Bereitschaft, der großzügig spendenden Natur eines Tages das eigene Leben zu geben, enthüllt das uralte Verständnis von Leben und Tod als einen riesigen Kreislauf. Kein Wunder, dass die Kirche solches Verhalten nur schwer ertragen konnte und sich nach Kräften bemühte, die Zustände zu ändern. Die unablässige Erklärung, dass alle Naturgeister „böse“ seien (Dämonen und Teufel) zeigte langsam Wirkung, die Kräfte des ursprünglich als wohltätig angesehenen Baumgeistes wurden zunehmend negativ ausgelegt. Die Einstellung wandelte sich von „Wir danken den Geistern für ihre Segnungen“ zu „die Geister schaden uns, wenn wir sie nicht beschwichtigen“. Die Formeln für Baumgebete wandelten sich entsprechend in Richtung: „Hier opfere ich dir, schade uns nicht!“ Nun konnte die Kirche die Menschen zu Recht von der Bürde ihres Aberglaubens befreien.

 

Der Geist der Bäume
Eine ganzheitliche Sicht ihres unerkannten Wesens
Fred Hageneder
Neue Erde - Verlag
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ISBN: 978-3-89090-632-3