Leitartikel

Selbstwert

Arbeitslos oder erfolgreich, schön oder hässlich, emotional oder vernünftig, gesund, behindert oder krank – wir sind a l l e Gottes Kinder und haben immer und überall den gleichen Wert. Ups, da meldet sich bei vielen sogleich das Ego: wir wollen aber etwas Besonderes sein, wir wollen beachtet werden und fühlen, wie gut wir sind, erfolgreicher, schöner, einfach besser als die anderen. Und damit fängt der ganze Kummer und das Leiden an: wir gehen gedanklich in Bewertungen und suchen uns Objekte und Gedankenformen, mit denen wir uns über die Identifikation aufwerten können. 
Viele von uns beziehen ihren Selbstwert aus dem, was sie im Außen vorzuweisen haben: „mein Haus, mein Auto, meine Frau“. Je kostspieliger und ausgefallener die Besitztümer sind, umso mehr fühlen sie sich als etwas Besonderes. Hätte jeder eine Traumvilla und mindestens ein Sportcoupé vorzuweisen, dann wäre es nichts Besonderes. Der Kauf von Luxusgütern und Markenartikel sind oftmals Identitätsverstärker. Natürlich brauchen wir Kleidung und ein Dach über dem Kopf und können uns durchaus an einem schönen Haus oder anderen schönen Dingen erfreuen. Der Verzicht auf Besitz befreit uns auch nicht von dem Wunsch, uns aufzuwerten, denn wir werden dann sofort neue Identifikationsmittel finden, mit denen wir unseren Selbstwert aufbauen wollen. Gerade in den spirituellen Kreisen ist es verbreitet sich ohne Besitz als besonders spirituell zu fühlen: „je ärmer, umso helfender und heiliger“. Dabei handelt es sich um das genau gleiche Prinzip, nur verdeckter: sich selbst als einen besonders guten Menschen zu betrachten. Bedenklich wird es für uns dann, wenn wir uns minderwertig fühlen, falls ein anderer mehr hat; wir bei Verlust dieser Dinge völlig verstört sind; immer das Gefühl haben noch nicht genug zu haben. „Ich habe nicht genug“ ist gleichbedeutend mit „ich bin noch nicht genug“ und damit versuchen wir durch immer neue Einkäufe Befriedigung zu erlangen. Das kann jedoch unsere innere Leere nie ausfüllen, weil wir uns als unvollkommen wahrnehmen und immer und immer wieder vergeblich versuchen dies auszugleichen. Wir werden die Dinge nie in ihrem Nutzen und ihrer Schönheit würdigen können, sobald wir versuchen uns darin selbst zu finden. Wenn wir uns dessen bewusst sind, ist das der erste Schritt sich von dieser Anhaftung zu lösen.
Ein angeschlagenes Selbstwertgefühl haben auch die meisten von uns, wenn es um unser physisches Erscheinungsbild geht. Viele halten sich für hässlich oder unsportlich, selbst wenn diese Gedanken gar nicht der Wirklichkeit entsprechen. Die Schönheitschirurgie und Sportindustrie boomt, und dagegen spricht auch nichts, sich an einem schönen, gesunden Körper so lange wie möglich zu erfreuen. Nur unterliegen unsere Körper -wie jede Form- der Veränderung, des Alterns und dem Verfall. Und dann ist es gut, sein Ich nicht mit dem Körper gleich zu setzen.
Es gibt auch Menschen, die sich unbewusst an eine Krankheit klammern, weil sie dadurch zumindest von den Ärzten und dem Pflegepersonen Aufmerksamkeit bekommen. Dann sind sie auch wer, nämlich die oder der mit der und der Krankheit.
Um diese Anhaftung an unseren Körper zu begegnen, ist es ratsam seinen inneren Körper oder Energiefeld zu spüren. Mit dieser Methode kann man am leichtesten seine Gedanken an den äußeren Körper abziehen, denn wenn man in das Gefühl des „Sein“ geht, kann man die Formen loslassen.
Jede Form an der wir festhalten, führt zur Identifikation. Das können durchaus auch Gedankenformen sein: ein unablässiger Strom der immer wiederkehrenden Gedanken und Emotionsmuster. „Warum habe ich noch nicht den richtigen Beruf für mich gefunden?“, „wie soll das Leben ohne meinen Partner weitergehen?“ und soweiter... Das sind Gedankenketten, die uns gefangen halten und unseren Selbstwert mindern, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. 
Wir sind nicht, was wir an einer äußeren Form oder Gedankenform festmachen können, weder sind wir dies oder das oder jenes, sondern nur wir selbst. Wenn wir diese Wertungen über uns selbst beenden, dann können wir frei sein, wir selbst zu sein.
Wir können uns dann entscheiden für ein „Ich bin es mir wert, ich selbst zu sein“. Mich selbst mit meinen Wünschen, Zielen und Bedürfnissen zu sehen und zu respektieren; nur das zu tun, worauf ich Lust habe oder eine Notwendigkeit sehe und mit meinem inneren Gefühl im Einklang bin; mich wert zu schätzen für meine Gaben und den Mut auf dem Weg meines Lebens aus meinen Fehlern zu lernen. Gnade, Verständnis und Verzeihen auch sich selbst gegenüber immer und immer wieder aufzubringen. Wir haben alle den gleichen Wert und doch hat jeder seinen individuellen Weg und seine eigene Persönlichkeit.  
Ich freue mich, dass wir wieder ein Stückchen des Weges zusammen zurücklegen. Unsere Wegbegleiter in dieser Ausgabe zum Thema „Selbstwert“ sind Birgit Schäfer, die uns durch den bewussten Einsatz der Stimme zu mehr Selbstwert führt, Klaus Echtler den spirituellen Hintergrund des Selbstwertes in seiner Kolumne aufzeigt und Thea Wachtendorf über Quantenheilung ihren Beitrag leistet. Gedankt sei auch den übrigen Autoren. 

In verbundenen wertschätzenden Grüßen 

Heidi Kessler